Wer ein Haus baut, denkt an Grundriss, Heizung und Bad – das Thema Internet beim Hausbau rutscht dagegen oft ans Ende der Liste. Das rächt sich: Der Hausanschluss braucht Monate Vorlauf, das Leerrohr ins Haus muss vor dem Pflastern liegen, und Netzwerkkabel lassen sich nur im Rohbau günstig verlegen. Wer hier früh plant, hat beim Einzug schnelles, stabiles Internet in jedem Raum. Wer es vergisst, arbeitet später mit Repeatern, Powerline-Adaptern und Kabeln über dem Teppich. In diesem Artikel zeigen wir Schritt für Schritt, wie Sie die Internetversorgung im Neubau sinnvoll planen – aus der Praxis unseres IT- und Elektro-Verbunds in Velbert.
Den Hausanschluss rechtzeitig beantragen
Der erste Schritt ist der Telekommunikations-Hausanschluss. Dafür beauftragen Sie einen Netzbetreiber, der Ihr Grundstück an sein Netz anbindet. Viele Anbieter haben eigene Bauherren-Services, über die Sie den Anschluss schon in der Bauphase beantragen.
Planen Sie dafür ausreichend Vorlauf ein: Zwischen Antrag, Tiefbau, Hauseinführung und Freischaltung vergehen je nach Anbieter und Ausbaugebiet oft mehrere Monate. Sinnvoll ist es, den Antrag zu stellen, sobald Baugenehmigung und Adresse feststehen. In vielen Neubaugebieten werden Strom, Wasser und Telekommunikation zudem gemeinsam über eine Mehrsparten-Hauseinführung ins Haus geführt. Dann müssen die Termine der Versorger aufeinander abgestimmt werden – ein weiterer Grund, früh zu starten.
Glasfaser, Kabel oder Kupfer: die Optionen im Vergleich
Je nach Wohnort stehen unterschiedliche Anschlussarten zur Verfügung. Die folgende Übersicht hilft bei der Einordnung:
| Anschlussart | Technik | Einordnung für den Neubau |
|---|---|---|
| Glasfaser (FTTH) | Glasfaser bis ins Haus | erste Wahl: höchste, symmetrisch mögliche Bandbreiten, zukunftssicher |
| Kabelanschluss | Koaxialkabel des Kabelnetzes | hohe Downloadraten, Upload meist deutlich geringer, geteiltes Medium |
| VDSL über Kupfer | Kupferdoppelader ab Verteiler | begrenzte Bandbreite, stark abhängig von der Leitungslänge |
| Mobilfunk | LTE oder 5G mit Router | Übergangslösung oder Backup, kein Ersatz für einen Festnetzanschluss |
Wenn Glasfaser bis ins Haus verfügbar ist, ist das im Neubau fast immer die richtige Wahl. Für Neubauten schreibt das Telekommunikationsgesetz (TKG) zudem eine glasfaserfähige gebäudeinterne Infrastruktur vor – verstehen Sie das als Praxishinweis, nicht als Rechtsberatung. Ist Glasfaser an Ihrer Adresse noch nicht verfügbar, sollten Sie zumindest die Voraussetzungen schaffen, um später ohne Aufwand umzusteigen.
Leerrohr vom Grundstück ins Haus
Damit das Kabel überhaupt ins Haus kommt, braucht es einen Weg. Der Netzbetreiber verlegt seine Leitung in der Regel bis zur Grundstücksgrenze oder bis an die Hauswand. Den Weg auf dem Grundstück und die Hauseinführung müssen Sie bzw. Ihr Bauunternehmen oft selbst vorbereiten – die genauen Vorgaben macht der jeweilige Anbieter.
Worauf Sie achten sollten:
- Leerrohr in ausreichender Dimension von der Grundstücksgrenze bis zur Hauseinführung, möglichst ohne enge Bögen, mit eingelegtem Zugdraht.
- Abgedichtete Hauseinführung, damit kein Wasser in den Keller oder die Bodenplatte eindringt.
- Reserve-Leerrohr, falls später ein zweiter Anbieter oder ein Technologiewechsel kommt.
- Kurzer Weg zum Technikraum, damit die Hausübergabe nahe am späteren Netzwerkschrank liegt.
Ein Leerrohr kostet in der Bauphase wenig. Später unter der fertigen Einfahrt nachzurüsten, ist dagegen teuer und aufwendig.
Hausübergabepunkt und Glasfaser-Teilnehmeranschluss
Bei einem Glasfaseranschluss endet das Netz des Anbieters am Hausübergabepunkt (HÜP), den manche Anbieter auch Glasfaser-Abschlusspunkt nennen. Von dort führt eine Glasfaser zum Glasfaser-Teilnehmeranschluss (Gf-TA), also der Glasfaserdose, an der das Glasfasermodem angeschlossen wird. Im Einfamilienhaus sitzen HÜP und Dose oft dicht beieinander im Hausanschlussraum.
Für die weitere Planung ist entscheidend, wo diese Dose sitzt. Ideal ist eine Position direkt am Medienverteiler, damit Modem, Router und Switch an einem Ort zusammenkommen. Sitzt die Glasfaserdose im Keller, der Netzwerkschrank aber im Obergeschoss, braucht es eine zusätzliche Verbindung – entweder eine weitere Glasfaserstrecke oder ein LAN-Kabel vom Modem zum Router. Beides sollten Sie vorab mit dem Anbieter und Ihrem Elektro- und IT-Betrieb abstimmen.
Medienverteiler und Netzwerkschrank
Das Herz des Hausnetzes ist ein zentraler Medienverteiler oder Netzwerkschrank. Dort laufen alle Leitungen zusammen: Glasfasermodem, Router, Switch, Patchfeld, gegebenenfalls die Smart-Home-Zentrale und eine kleine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV). Planen Sie den Platz großzügig, mit eigener Steckdose, guter Belüftung und Reserve für spätere Geräte.
Geeignet sind Hausanschluss- oder Technikräume, ein Abstellraum oder ein Bereich im Keller. Ungeeignet sind enge Nischen ohne Luftzirkulation und feuchte Räume. Die DIN 18015 beschreibt für Wohngebäude die Planung elektrischer Anlagen und berücksichtigt dabei auch Leerrohre und Kommunikationsanlagen – eine gute Grundlage für die Abstimmung mit dem Elektroplaner.
Leerrohre und LAN-Kabel in alle Räume
Vom Medienverteiler aus wird das Netzwerk sternförmig in die Räume geführt: Jede Dose bekommt ihr eigenes Kabel bis zum Patchfeld. Im Neubau hat sich bewährt, die Netzwerkleitungen zusätzlich in Leerrohren zu verlegen. So lassen sich später Kabel tauschen oder ergänzen, ohne Wände zu öffnen.
Als Verkabelung empfehlen wir Verlegekabel der Kategorie 7 in Kombination mit Dosen und Patchfeld nach Cat 6A. Damit sind auch künftige Bandbreiten gut abgedeckt. Wichtig ist, dass alle Komponenten zusammenpassen, die Schirmung durchgängig aufgelegt wird und jede Strecke nach der Installation gemessen und dokumentiert wird.
Wie viele Dosen in welchen Raum gehören, wo Fernseher, Arbeitsplatz und Spielkonsole einen Anschluss brauchen und welche Fehler man bei der Planung vermeiden sollte, beschreiben wir ausführlich im Artikel Netzwerk im Einfamilienhaus planen.
WLAN mit Access Points an der Decke und PoE
Für flächendeckendes WLAN sind Access Points die bessere Wahl als ein einzelner Router mit Repeatern. Am wirkungsvollsten sitzen sie an der Decke, zentral im jeweiligen Geschoss oder Bereich. Von dort verteilt sich das Signal gleichmäßig in den Raum. Bei einem typischen Einfamilienhaus reicht oft ein Access Point pro Etage, bei großen Grundrissen, massiven Decken oder Außenbereichen kommen weitere dazu.
Die Access Points werden über ein LAN-Kabel mit Power over Ethernet (PoE) versorgt: Daten und Strom kommen über dieselbe Leitung vom Switch im Netzwerkschrank. Eine eigene Steckdose an der Decke ist dann nicht nötig. Dasselbe Prinzip eignet sich für Netzwerkkameras, Türsprechanlagen oder Smart-Home-Komponenten. Wer ein Smart Home plant, sollte Netzwerk und Gebäudeautomation ohnehin von Anfang an zusammen denken – mehr dazu unter Smart Home.
Die Elektroinstallation einschließlich Leerrohren, Dosen und Stromversorgung des Netzwerkschranks übernimmt die Elektrofachkraft – in unserem Verbund AJH-Elektro. Netzwerkkomponenten, Router-Konfiguration und WLAN-Einrichtung setzen wir über unseren Bereich IT um.
Typische Fehler und was die Vorbereitung kostet
Aus der Praxis sehen wir bei Neubauten immer wieder dieselben Versäumnisse:
- Hausanschluss zu spät beantragt: Der Einzug steht, das Internet kommt erst Wochen später.
- Kein Leerrohr ins Haus: Die Einfahrt ist gepflastert, der Glasfaseranschluss erfordert neues Aufgraben.
- Glasfaserdose am falschen Ort: Modem im Keller, Router im Wohnzimmer, dazwischen keine Leitung.
- Zu wenige Netzwerkdosen: Gespart wird an Stellen, an denen später Fernseher, Arbeitsplatz oder Access Point gebraucht werden.
- Netzwerkschrank zu klein: Kein Platz für Switch, Patchfeld und Smart-Home-Zentrale, keine Steckdose, keine Belüftung.
Die Kosten für den Hausanschluss legt der jeweilige Netzbetreiber fest. Im geförderten oder eigenwirtschaftlichen Glasfaserausbau ist er oft günstig, außerhalb von Ausbaugebieten können deutlich höhere Beträge anfallen. Für die Verkabelung im Haus gilt als grober Richtwert: Eine Netzwerkdose inklusive Kabel und Anschluss liegt im Neubau häufig im oberen zweistelligen bis unteren dreistelligen Bereich, dazu kommen Netzwerkschrank, Patchfeld, Switch und Access Points. Ein verbindliches Angebot erstellen wir nach Sichtung der Pläne oder einer Begehung.
Fazit
Internet beim Hausbau zu planen, heißt vor allem: früh anfangen. Beantragen Sie den Hausanschluss mit genügend Vorlauf, sehen Sie ein Leerrohr vom Grundstück ins Haus vor, legen Sie Hausübergabepunkt und Medienverteiler sinnvoll zusammen und lassen Sie im Rohbau LAN-Kabel in alle wichtigen Räume sowie Leitungen für Access Points an der Decke verlegen. Dann ist Ihr Haus für Glasfaser, Homeoffice und Smart Home vorbereitet. Ob Neubau in Velbert, im Kreis Mettmann, in Essen, Wuppertal oder Düsseldorf: Wir planen Elektro und Netzwerk gern gemeinsam mit Ihnen und Ihrem Architekten.