Viele verschieben ihre Sanierung automatisch auf das Frühjahr. Dabei eignet sich der Winter für viele Arbeiten sehr gut, für manche sogar besser als der Sommer. Andere dagegen gehen bei Frost und Nässe nicht oder nur mit großem Aufwand. Wer im Winter sanieren möchte, sollte wissen, wo die Grenzen liegen und wie Heizung, Lüftung und Trocknung geplant werden. Das erklären wir hier aus unseren Projekten in Velbert, Essen, Wuppertal und dem Kreis Mettmann.
Was im Winter gut funktioniert
Der größte Teil einer Wohnungs- oder Haussanierung findet innen statt. Solange die Räume beheizt werden können, sind diese Arbeiten weitgehend unabhängig von der Jahreszeit:
- Elektroinstallation: Leitungen verlegen, Verteiler tauschen, FI nachrüsten, Netzwerk und Smart Home. Kurze Stromabschaltungen sind im Winter planbar, wenn die Heizung danach wieder läuft. Mehr unter Elektroinstallation.
- Trockenbau: Ständerwände, abgehängte Decken, Dachgeschossausbau von innen. Gipsplatten und Spachtelmassen brauchen allerdings Mindesttemperaturen, dazu unten mehr.
- Malerarbeiten: In beheizten Räumen gut machbar. Farbe trocknet bei moderater Wärme und trockener Heizungsluft oft sogar gleichmäßig.
- Bodenbeläge: Parkett, Vinyl und Teppich in temperierten Räumen, nachdem das Material sich an das Raumklima angepasst hat.
- Planung: Der Winter ist ideal, um Projekte für das kommende Jahr vorzubereiten, Angebote einzuholen und Termine zu sichern.
Wo der Winter Grenzen setzt
Außenarbeiten
Fassadenputz, Außenanstriche, Abdichtungen und viele Dacharbeiten brauchen trockene Witterung und Temperaturen oberhalb der Herstellerangaben. Bei Frost oder Dauerregen ruhen solche Arbeiten oder werden aufwendig mit Einhausung und Beheizung geschützt. Das kostet Geld und lohnt sich nur in Ausnahmefällen.
Mindesttemperaturen für Baustoffe
Farben, Putze, Spachtelmassen, Fliesenkleber und Estriche haben in ihren technischen Merkblättern Mindesttemperaturen für Luft und Untergrund. Häufig liegt sie bei etwa plus 5 Grad Celsius, bei manchen Produkten auch höher. Wird darunter gearbeitet, binden Materialien schlecht ab, Farben bilden keinen sauberen Film, und es drohen Risse oder Ablösungen. Entscheidend ist dabei nicht nur die Luft, sondern auch die Temperatur der Wand oder des Bodens.
Feuchte, Trocknung und Lüftung
Bei jeder Sanierung entsteht Baufeuchte: durch Estrich, Putz, Spachtelmasse und Farbe. Im Winter ist der Umgang damit besonders wichtig. Kalte Luft kann wenig Feuchtigkeit aufnehmen. Wird nicht gelüftet, schlägt sich die Feuchte an kalten Flächen nieder, im schlimmsten Fall bildet sich Schimmel, bevor die Sanierung abgeschlossen ist.
Bewährt hat sich:
- Durchgehend heizen, auch nachts und am Wochenende, statt nur während der Arbeitszeit.
- Mehrmals täglich stoßlüften statt Fenster dauerhaft gekippt zu lassen. Kalte Außenluft erwärmt sich im Raum und nimmt dabei Feuchtigkeit auf, die beim nächsten Lüften hinausgeht.
- Bautrockner einsetzen, wenn viel Feuchte im Spiel ist, etwa nach einem neuen Estrich.
- Restfeuchte messen, bevor Bodenbeläge verlegt oder Flächen geschlossen werden.
Wie Feuchte und Schimmel zusammenhängen, erklärt der Artikel Schimmel entfernen: Ursachen erkennen.
Heizung und Fenster im Winter tauschen
Wird die Heizung selbst erneuert, braucht es einen Plan für die Übergangszeit. Häufig wird der Tausch so organisiert, dass das Haus nur kurz ohne Wärme ist, gegebenenfalls mit einer mobilen Übergangsheizung. Auch Fenster lassen sich im Winter tauschen, weil jedes Fenster meist zügig ausgebaut und das neue eingesetzt wird. Für die Anschlussabdichtung gelten wiederum die Temperaturvorgaben der Materialien. Die Abstimmung übernimmt der jeweilige Fachbetrieb.
Material und Anlieferung
Auch Baustoffe reagieren auf Kälte. Farben, Spachtelmassen und Kleber in flüssiger oder pastöser Form dürfen meist nicht gefrieren, sonst sind sie unbrauchbar. Deshalb gehören sie nicht über Nacht in den kalten Transporter oder die unbeheizte Garage, sondern in einen temperierten Raum. Parkett, Vinyl und Türen brauchen vor dem Einbau Zeit, sich an Temperatur und Luftfeuchte im Raum anzupassen. Wer im Winter saniert, plant Anlieferung und Lagerung deshalb mit ein und sorgt für einen frostfreien Lagerplatz auf der Baustelle.
Bewohnt sanieren im Winter
Wer während der Arbeiten im Haus wohnt, hat im Winter weniger Ausweichmöglichkeiten: Terrasse und Garten fallen als Puffer weg, die Baustelle ist näher am Alltag. Hilfreich ist eine Sanierung in Abschnitten, bei der immer einige Räume bewohnbar bleiben, sowie eine saubere Staubabtrennung. Kurze Abschaltungen von Strom oder Heizung sollten vorab abgesprochen sein.
Vorteile der kalten Jahreszeit
- Planbarkeit: Erfahrungsgemäß ist die Planung von Innenarbeiten im Winter bei vielen Betrieben etwas entspannter. Eine Garantie für schnellere Termine ist das nicht.
- Fertig zum Frühjahr: Wer innen im Winter fertig wird, kann im Frühjahr Außenarbeiten anschließen oder einziehen.
- Zeit für Entscheidungen: Ohne Zeitdruck lassen sich Ausstattung, Oberflächen und Technik in Ruhe festlegen.
Fazit
Sanieren im Winter funktioniert gut, wenn es sich um Innenarbeiten in beheizten Räumen handelt und die Baufeuchte im Griff ist. Außenarbeiten und Baustoffe mit Mindesttemperaturen setzen klare Grenzen. Wer die Reihenfolge der Arbeiten mit Heizung, Lüftung und Trocknungszeiten plant, verliert im Winter keine Zeit. Wie die Gewerke ineinandergreifen, lesen Sie unter Innenausbau: Reihenfolge der Gewerke. Die Koordination übernehmen wir auf Wunsch über unsere Planung & Baubegleitung.