In vielen Altbauten zwischen Ruhrgebiet und Bergischem Land fehlt im Sicherungskasten ein Bauteil, das heute selbstverständlich ist: der Fehlerstromschutzschalter, kurz FI oder RCD. Er ist der wichtigste Personenschutz der gesamten Elektroinstallation. Wer einen FI-Schutzschalter im Altbau nachrüsten lassen möchte, sollte wissen, wann das Pflicht ist, welche Voraussetzungen die Anlage erfüllen muss und womit Sie rechnen sollten. Das erklären wir hier aus der Praxis unseres Elektromeisterbetriebs AJH-Elektro in Velbert.
Was ein FI-Schutzschalter macht
Ein FI-Schutzschalter vergleicht ständig den Strom, der in einen Stromkreis hineinfließt, mit dem, der zurückkommt. Fließt ein Teil davon über einen anderen Weg ab, etwa über den Körper eines Menschen zur Erde, entsteht eine Differenz. Überschreitet sie den Bemessungswert, trennt der FI den Stromkreis in Sekundenbruchteilen.
Damit unterscheidet er sich grundlegend von der normalen Sicherung, dem Leitungsschutzschalter. Der schützt Leitungen vor Überlast und Kurzschluss, reagiert aber erst bei Strömen, die für den Menschen längst gefährlich sind. Für den Personenschutz in Wohnungen werden FI-Schutzschalter mit einem Bemessungsfehlerstrom von 30 mA eingesetzt.
Typische Situationen, in denen ein FI Leben retten kann: ein defektes Gerät mit Spannung am Gehäuse, ein angebohrtes Kabel, ein Föhn im Waschbecken oder ein beschädigtes Verlängerungskabel im Garten.
Ist das Nachrüsten Pflicht?
Die kurze Antwort: In unveränderten Bestandsanlagen meistens nicht, bei Änderungen sehr wohl.
- Bestandsschutz: Eine Anlage, die zum Zeitpunkt ihrer Errichtung den damaligen Regeln entsprach, darf grundsätzlich weiter betrieben werden, solange sie sicher ist und nicht wesentlich geändert wird.
- Neue oder geänderte Stromkreise: Wer erweitert oder umbaut, muss den geänderten Teil nach den aktuellen Normen ausführen. Die DIN VDE 0100-410 fordert zusätzlichen Schutz durch FI-Schutzschalter unter anderem für Steckdosenstromkreise und in Wohnungen auch für Beleuchtungsstromkreise. Für Bäder und Außenbereiche gibt es eigene Anforderungen.
- Vermieter: Sie haben eine Verkehrssicherungspflicht. Eine erkennbar unsichere Anlage kann haftungsrechtliche Folgen haben, auch ohne ausdrückliche Nachrüstpflicht.
Welche Pflichten in Ihrem konkreten Fall gelten, etwa als Vermieter oder Hausverwaltung, sollten Sie im Zweifel mit einer Fachberatung klären. Unsere Einschätzung aus technischer Sicht ist eindeutig: Ein FI gehört in jede Wohnung.
Voraussetzungen im Altbau
Ganz so einfach wie „Bauteil rein, fertig“ ist es im Altbau nicht immer. Die Elektrofachkraft prüft vorher:
Platz im Verteiler
Ein FI braucht mehrere Teilungseinheiten im Sicherungskasten. In alten, voll belegten Verteilern fehlt dieser Platz oft. Dann ist eine Erweiterung oder ein neuer Verteiler nötig. Wann sich der komplette Austausch lohnt, beschreiben wir unter Sicherungskasten erneuern.
Klassische Nullung
In vielen Altbauten sind Neutralleiter und Schutzleiter in einem gemeinsamen Leiter zusammengefasst, Fachleute sprechen von klassischer Nullung. In solchen Stromkreisen kann ein FI nicht funktionieren. Hier müssen Leitungen erneuert oder die Anlagenstruktur angepasst werden.
Zustand der Leitungen
Alte Leitungen mit schlechter Isolation erzeugen manchmal kleine Ableitströme. Nach dem Einbau löst der FI dann scheinbar grundlos aus. Das ist kein Fehler des FI, sondern ein Hinweis auf einen Mangel, der vorher unbemerkt blieb. Eine Isolationsmessung vor der Nachrüstung zeigt, ob das zu erwarten ist.
Welcher FI-Typ ist der richtige?
Für normale Wohnungsstromkreise ist der Typ A Standard. Für bestimmte Geräte mit Leistungselektronik, etwa manche Wärmepumpen oder Ladeeinrichtungen für Elektroautos, können andere Typen wie Typ F oder Typ B nötig sein. Bei der Wallbox ist das ein eigenes Thema, das wir im Artikel Wallbox installieren lassen erklären. Welche Kombination passt, entscheidet die Elektrofachkraft anhand der Herstellerangaben.
Ablauf der Nachrüstung
- Besichtigung und Messung: Wir prüfen Verteiler, Netzform und Leitungszustand und messen die Isolation.
- Angebot: Je nach Befund reicht ein FI im bestehenden Verteiler, oder es braucht eine Erweiterung bzw. Leitungsarbeiten.
- Einbau: Der reine Einbau ist meist in wenigen Stunden erledigt. Der Strom ist in dieser Zeit abgeschaltet.
- Prüfung und Protokoll: Nach dem Einbau messen wir Auslösezeit und Auslösestrom und übergeben ein Prüfprotokoll.
Gut zu wissen: Löst der FI nach der Nachrüstung gelegentlich aus, ist das zunächst ein gutes Zeichen. Er hat einen Fehlerstrom erkannt, der vorher unbemerkt geblieben wäre. Meist steckt ein defektes Gerät oder eine feuchte Außensteckdose dahinter. Ziehen Sie dann nacheinander die Stecker, bis Sie den Verursacher gefunden haben, oder lassen Sie den Fehler vom Fachbetrieb eingrenzen.
Danach sollten Sie die Prüftaste in den vom Hersteller empfohlenen Abständen selbst drücken, häufig wird halbjährlich genannt. Löst der FI dabei nicht aus, rufen Sie den Fachbetrieb.
Was kostet die Nachrüstung?
Seriös lässt sich das nur nach einem Blick auf die Anlage sagen. Als grobe Richtwerte aus unseren Projekten, ausdrücklich keine Angebote:
- Platz im Verteiler, Leitungen in Ordnung: meist im dreistelligen Bereich, inklusive Prüfung und Protokoll.
- Verteiler muss erweitert oder erneuert werden: eher im niedrigen bis mittleren vierstelligen Bereich.
- Leitungen ohne separaten Schutzleiter: Dann geht es um eine Teil- oder Komplettmodernisierung, wie wir sie unter Elektroinstallation im Altbau modernisieren beschreiben.
Fazit
Ein FI-Schutzschalter kostet wenig im Vergleich zu dem, was er verhindern kann. Im Altbau gehört vor die Nachrüstung eine fachkundige Prüfung, denn Netzform und Leitungszustand entscheiden, ob ein schneller Einbau reicht oder mehr nötig ist. AJH-Elektro rüstet FI-Schutzschalter in Velbert, Essen, Wuppertal und im Kreis Mettmann nach. Mehr zu unseren Leistungen finden Sie unter Elektroinstallation.