Die Wohnung ist schön, die Lage stimmt – nur der Sicherungskasten sieht aus wie 1968. Wer eine Bestandsimmobilie kauft oder seit Jahrzehnten bewohnt, steht irgendwann vor der Frage: Elektroinstallation im Altbau modernisieren – muss das sein, was gehört dazu, und was kostet es? Aus der Praxis unseres Elektromeisterbetriebs AJH-Elektro in Velbert haben wir die wichtigsten Antworten zusammengestellt.
Warnzeichen: Wann die Anlage am Ende ist
Elektroinstallationen sind auf etwa 30 bis 40 Jahre ausgelegt. Danach altern Isolierungen, Klemmen lockern sich, und vor allem passen Schutzkonzept und Stromkreisanzahl nicht mehr zu heutigem Gebrauch. Diese Anzeichen sehen wir regelmäßig in Altbauten in Essen, Wuppertal und dem Kreis Mettmann:
- Schraubsicherungen (Diazed/Neozed) statt Leitungsschutzschalter – nicht per se gefährlich, aber ein sicherer Hinweis auf das Alter der Anlage.
- Kein Fehlerstromschutzschalter (FI/RCD): Anlagen vor 1984 haben oft gar keinen, Anlagen bis etwa 2007 meist nur für das Bad. Ohne RCD schützt Sie bei einem Körperschluss nur die Sicherung – und die löst bei 30 Milliampere nicht aus.
- Zweiadrige Leitungen ohne Schutzleiter oder „klassische Nullung“, bei der Neutralleiter und Schutzleiter eine Ader teilen. Erkennbar an Schukosteckdosen mit nur zwei angeschlossenen Adern.
- Zu wenige Stromkreise: Eine ganze Etage an zwei Sicherungen, Küche und Wohnzimmer auf einem Kreis. Folge: Sicherung fliegt, sobald Wasserkocher und Backofen gleichzeitig laufen.
- Stoff- oder bleiummantelte Leitungen, Aluminiumleiter, brüchige Isolierung – häufig in Häusern aus der Gründerzeit und den 1950er-Jahren.
- Steckdosen und Schalter, die warm werden, wackeln oder verfärbt sind, flackerndes Licht, Brandgeruch am Verteiler.
- Kein Potentialausgleich an Wasser- und Heizungsleitungen, fehlender Überspannungsschutz.
- Bastellösungen früherer Bewohner: Abzweigdosen unter Putz ohne Deckel, Lüsterklemmen in der Wand, Steckdosen an Lichtstromkreisen.
Was eine moderne Elektroinstallation umfasst
Modernisieren heißt nicht nur „neue Sicherungen“. Eine zeitgemäße Anlage besteht aus mehreren Bausteinen:
Zählerschrank und Verteilung
Der Zählerplatz wird nach den technischen Anschlussbedingungen des Netzbetreibers und VDE-AR-N 4100 erneuert – mit Platz für Zähler, Hauptschalter, Überspannungsschutz und genügend Reserve. Unterverteilungen je Etage oder Wohnung verkürzen Leitungswege und machen die Anlage übersichtlich. Wer später Smart Home, Wallbox oder PV möchte, plant hier jetzt die Reihen mit ein.
Schutzeinrichtungen: RCD, AFDD, Überspannungsschutz
- RCD (Fehlerstromschutzschalter) 30 mA für alle Steckdosenstromkreise bis 32 A und für Räume mit Dusche oder Badewanne – heute Standard nach DIN VDE 0100-410. Sinnvoll sind mehrere RCDs, damit nicht die ganze Wohnung dunkel wird, wenn einer auslöst.
- AFDD (Brandschutzschalter): Erkennt Lichtbögen an lockeren Klemmen oder beschädigten Leitungen. Nach DIN VDE 0100-420 in bestimmten Bereichen gefordert (etwa Schlafräume in Senioren- und Pflegeeinrichtungen, Räume mit hoher Brandlast), für Wohnräume eine Empfehlung – im Altbau mit Holzbalkendecken aus unserer Sicht eine sinnvolle.
- Überspannungsschutz im Zählerschrank ist bei Neuanlagen seit Ende 2018 verbindlich gefordert (DIN VDE 0100-443/-534) und schützt Unterhaltungselektronik, Wärmepumpe und Router vor Schäden durch Schalthandlungen und Gewitter.
Stromkreise und Auslässe
Die Faustformel aus der RAL-RG 678 (Ausstattungswerte für Wohngebäude): pro Raum eigene Stromkreise, Küche mit separaten Kreisen für Herd, Spülmaschine, Backofen, Kühlschrank, mehr Steckdosen als Sie heute für nötig halten – und an jedem Arbeitsplatz, Bett und Fernseher Netzwerk daneben. Wir planen raumweise mit Ihnen am Grundriss, nicht pauschal.
Netzwerk und Kommunikation
Cat-7-Verkabelung zu den wichtigen Räumen, ein kleiner Netzwerkschrank im Keller oder Flur, Vorbereitung für Access Points an der Decke. Im Altbau mit dicken Wänden ist WLAN allein keine Lösung. Das gilt doppelt, wenn später ein Smart Home folgen soll – siehe Smart Home.
Vorbereitung für PV und Wallbox
Auch wenn Photovoltaik und E-Auto noch nicht anstehen: Ein Leerrohr vom Zählerschrank zum Stellplatz und zum Dach, Platz im Verteiler und ein Zählerplatz für steuerbare Verbrauchseinrichtungen kosten bei offenen Wänden wenig – nachträglich ein Vielfaches. Wallboxen sind beim Netzbetreiber anmeldepflichtig, oberhalb von 12 kW zustimmungspflichtig; die Netzanmeldung übernehmen wir.
Ablauf: Elektro, Trockenbau und Maler im Verbund
Der größte Aufwand bei der Modernisierung ist nicht die Elektrik, sondern das Drumherum: Schlitze, Staub, Wände schließen, streichen. Genau deshalb arbeiten wir im RaumFaktum-Verbund mit festen Partnern:
- Bestandsaufnahme und Planung: Ortstermin, Sichtung der Anlage, Aufnahme von Grundriss und Wünschen. Daraus entsteht ein Raum-für-Raum-Plan mit Stromkreisen, Auslässen und Leitungswegen – bei Bedarf mit Planung und Baubegleitung.
- Leitungswege festlegen: Wo wird geschlitzt, wo laufen Leitungen über abgehängte Decken oder Vorsatzschalen, wo helfen Leerrohre und Sockelkanäle? Das entscheidet über Staub, Dauer und Kosten.
- Rohinstallation: Schlitzen, Dosen setzen, Leitungen ziehen, Verteiler aufbauen. In bewohnten Objekten arbeiten wir etagen- oder raumweise, damit immer ein Teil nutzbar bleibt.
- Trockenbau schließt: Ott & Masuch verputzen Schlitze, stellen Vorsatzschalen, hängen Decken ab – abgestimmt auf die Elektrotermine, ohne Wartezeit dazwischen. Details unter Trockenbau.
- Malerarbeiten: Spachteln, schleifen, streichen oder tapezieren – aus derselben Hand, siehe Maler.
- Endmontage und Prüfung: Schalter, Steckdosen, Leuchten, Abschlussmessung nach DIN VDE 0100-600, Prüfprotokoll, Einweisung und Dokumentation.
Kosten: Orientierung statt Preisliste
Seriös lässt sich der Preis nur nach Ortstermin nennen. Als Erfahrungswerte, keine Angebote und stark abhängig von Objekt und Umfang:
| Maßnahme | Größenordnung | Wesentliche Einflussfaktoren |
|---|---|---|
| Zählerschrank erneuern (inkl. RCD, Überspannungsschutz) | niedriger bis mittlerer vierstelliger Bereich | Anzahl Zähler, Zustand Hausanschluss, Netzbetreiber-Auflagen |
| RCDs nachrüsten ohne weitere Änderung | dreistellig bis niedrig vierstellig | Platz im Verteiler, Aufteilung der Stromkreise |
| Komplette Neuinstallation Wohnung (60–90 m²) | niedriger bis mittlerer fünfstelliger Bereich | Stromkreise, Auslässe, Wandaufbau, Netzwerk |
| Komplette Neuinstallation Einfamilienhaus | mittlerer fünfstelliger Bereich, nach oben offen | Größe, Smart Home, Außenanlagen, PV/Wallbox |
| Trockenbau und Maler zum Schließen | kommt hinzu, je nach Anzahl Schlitze und Wandflächen | Zustand der Wände, Deckenabhängungen, Oberflächenwunsch |
Teurer wird es vor allem durch viele Änderungen während der Bauphase, schwierige Leitungswege in Massivwänden und hohe Ausstattungsstandards. Günstiger wird es, wenn Wände ohnehin offen sind, das Gewerk früh eingeplant ist und alles aus einem Verbund kommt – weil Schnittstellen, Wartezeiten und doppelte Anfahrten entfallen.
Fazit
Eine Elektroinstallation im Altbau zu modernisieren ist kein Luxus, sondern Sicherheit und Werterhalt – und der Moment, in dem Sie Netzwerk, Smart Home, PV und Wallbox für die nächsten Jahrzehnte vorbereiten. Am wirtschaftlichsten wird es, wenn Elektro, Trockenbau und Maler gemeinsam planen und Hand in Hand arbeiten. Genau so arbeiten wir in Velbert, Essen, Wuppertal, Düsseldorf und im Kreis Mettmann.