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Smart Home im Altbau nachrüsten: KNX, Shelly, Homematic IP & Co.

Smart Home im Altbau nachrüsten: KNX, KNX RF, Homematic IP, Shelly und Loxone im Vergleich – Aufwand, Kosten, Zukunftssicherheit und typische Fehler.

Sie wohnen im Altbau – Gründerzeit in Essen-Rüttenscheid, Siedlungshaus in Velbert, Nachkriegsbau in Wuppertal – und möchten Licht, Rollläden und Heizung intelligent steuern. Die Frage ist fast immer dieselbe: Smart Home im Altbau nachrüsten – geht das ohne alles aufzureißen, und welches System passt? Die Antwort hängt weniger von der Technik als von Ihrem Sanierungsstand ab. Hier unser Überblick aus Elektro- und KNX-Praxis.

Die entscheidende Vorfrage: Wird ohnehin saniert?

Bevor wir über Systeme sprechen, klären wir eine Frage: Werden in den nächsten Jahren Wände geöffnet, Decken abgehängt oder wird die Elektroinstallation erneuert? Denn das bestimmt, welche Leitungswege Sie haben.

  • Ja, Sanierung steht an: Dann ist der Moment für eine kabelgebundene Lösung – in der Regel KNX. Die Mehrkosten für eine Busleitung sind bei offenen Wänden gering, der Nutzen hält Jahrzehnte.
  • Nein, bewohnt und fertig: Dann bleiben Funk und WLAN, also KNX RF, Homematic IP oder Shelly – ergänzt um wenige gezielte Leitungen, wo sie sich unauffällig ziehen lassen.
  • Dazwischen, Raum für Raum: Dann lohnt ein Mischkonzept: Verteiler und zentrale Leitungen kabelgebunden vorbereiten, die Räume zunächst per Funk anbinden und bei jeder späteren Renovierung umstellen.

Wie eine modernisierte Installation im Altbau aussieht, beschreiben wir in unserem Beitrag zur Elektroinstallation im Altbau. Smart Home setzt darauf auf – nicht umgekehrt.

Die Systeme im Vergleich

SystemAufwand NachrüstungKosten-EinordnungZukunftssicherheitLokale Steuerung
KNX TP (Bus, kabelgebunden)hoch – Busleitung zu jedem Taster/Sensor, realistisch nur bei Sanierunghöchste Anfangsinvestition, dafür langlebigsehr hoch: offener Standard, über 30 Jahre abwärtskompatibel, hunderte Herstellerja, vollständig ohne Cloud
KNX RF (Funk, KNX-Standard)gering – Funktaster und -aktoren, Koppler zum Bus oder eigenständigmittel bis hoch je Geräthoch: Teil des KNX-Standards, mit TP kombinierbarja
Homematic IPgering – Funkaktoren für Dosen und Hutschiene, Zentralegünstig bis mittelmittel: ein Hersteller (eQ-3), aber großes Sortiment und lokale Zentrale (CCU3/Raspberrymatic)ja, mit eigener Zentrale; Cloud optional
Shelly (WLAN/Bluetooth)gering – Unterputzmodule hinter vorhandene Schalter, Neutralleiter meist nötigsehr günstigmittel: offene API, MQTT, Home-Assistant-tauglich; WLAN-Abhängigkeitja, lokale API; Cloud optional
Loxonemittel – Miniserver im Verteiler, Tree/Air-Komponenten, Verkabelung zum Verteiler empfehlenswertmittel bis hochmittel: geschlossenes System eines Herstellers, starke Softwareja, Miniserver arbeitet lokal

Was die Tabelle nicht zeigt: Die Systeme lassen sich kombinieren. In vielen unserer Projekte im Kreis Mettmann bildet KNX das Rückgrat (Verteiler, Licht, Beschattung, Heizung), während einzelne Nachrüstpunkte per KNX RF oder Shelly angebunden werden. Einen ausführlichen Vergleich von Shelly und KNX finden Sie ebenfalls hier im Blog.

Leitungswege im Altbau: Wo Kabel noch durchpassen

Auch im bewohnten Altbau gibt es mehr Wege als man denkt. Unsere Reihenfolge beim Aufmaß:

  • Vorhandene Leerrohre und Schlitze: Selten, aber Gold wert. Oft lassen sich alte Klingel- oder Antennenleitungen als Zugdraht nutzen.
  • Stillgelegte Schornsteinzüge und Installationsschächte: Ideal als Steigleitung vom Keller bis zum Dach – Netzwerk, Bus und Stromkreise in einem Zug. Vorher mit dem Schornsteinfeger klären.
  • Abgehängte Decken und Vorsatzschalen: Wenn ein Raum ohnehin eine neue Decke bekommt, ist die gesamte Raumelektrik erreichbar. Hier arbeiten wir mit dem Trockenbau unserer Partner Ott & Masuch zusammen.
  • Sockelleisten- und Brüstungskanäle: Unauffällig, reversibel und im Altbau mit hohen Sockelleisten kaum sichtbar.
  • Kellerdecke und Dachboden: Von unten und oben lassen sich Dosen in Außenwänden oft mit kurzen Bohrungen erreichen.
  • Funk als Lückenfüller: Wo keiner der Wege praktikabel ist, schließt KNX RF oder Homematic IP die Lücke.

Was zuerst? Die sinnvolle Reihenfolge

  • Verteiler und Zählerschrank: Platz für Aktoren, Spannungsversorgung, Netzwerk und Reihenklemmen schaffen. Ein zu kleiner Verteiler ist der häufigste Grund, warum Smart-Home-Projekte im Altbau stecken bleiben.
  • Netzwerk: Mindestens eine saubere Verkabelung zu Router, Zentrale und den wichtigsten Etagen. WLAN-Systeme stehen und fallen mit dem WLAN – und das Gästenetz Ihres Routers ist kein Rückgrat für Gebäudetechnik.
  • Beschattung und Licht: Die Funktionen mit dem größten Komfortgewinn. Rollladenmotoren brauchen ohnehin eine Zuleitung – der Aktor kommt in den Verteiler oder in die Dose.
  • Heizung: Thermostate und Stellantriebe per Funk sind schnell nachgerüstet und bringen Energieeinsparung.
  • Bedienkonzept vor Gerätekauf: Wie viele Taster, wo, welche Funktionen? Ein Altbau mit schönen Zimmertüren braucht keine zehn Taster je Raum – er braucht die richtigen drei.
  • Dokumentation: Jeder Aktor, jede Adresse, jedes Passwort gehört in eine Liste, die dem Eigentümer gehört.

Typische Fehler – und wie Sie sie vermeiden

  • Cloud-Zwang: Systeme, die ohne Internet nichts tun, sind im Altbau mit dicken Wänden und WLAN-Löchern eine schlechte Idee. Achten Sie auf lokale Steuerung.
  • Systemzoo ohne Konzept: Drei Apps, vier Funkstandards, keine Zentrale. Das funktioniert bis zum ersten Update. Ein System als Rückgrat, andere nur gezielt ergänzend.
  • Zu früh Geräte kaufen: Erst Leitungswege, Verteiler und Bedienkonzept – dann Geräte.
  • WLAN überladen: 40 Shelly-Module auf einem Consumer-Router plus Streaming und Homeoffice – das geht schief. Access Points per Kabel, eigenes Netz für die Gebäudetechnik.
  • Keine Fachkraft für 230 V: Module in Dosen und Verteiler sind Elektroinstallation. Wir sehen regelmäßig Eigenbauten ohne Schutzleiter oder mit überlasteten Klemmen. Die Elektroarbeiten übernimmt bei uns AJH-Elektro aus Velbert, siehe Elektro.
  • Tiefe Dosen vergessen: Wenn Wände offen sind, immer tiefe Dosen (60 mm+) setzen – auch dort, wo heute noch kein Modul geplant ist.

Kosten: Größenordnungen statt Preisliste

Ehrliche Antwort: Die Spanne ist riesig, weil sie vom Leitungsaufwand abhängt, nicht von der Elektronik. Als Erfahrungswerte, keine Angebote:

  • Funk-/WLAN-Nachrüstung einzelner Funktionen (Licht, ein paar Rollläden, Thermostate): typischerweise ein niedriger bis mittlerer vierstelliger Betrag inklusive Montage, je nach Umfang.
  • Wohnung oder Haus mit Funksystem flächendeckend: meist mittlerer vierstelliger bis niedriger fünfstelliger Bereich, vor allem getrieben durch Gerätezahl und Einrichtung.
  • KNX im Zuge einer Sanierung: Mehrkosten gegenüber einer konventionellen Neuinstallation im Bereich von grob 30 bis 50 Prozent der Elektrokosten, abhängig vom Funktionsumfang. Wer nur Licht und Beschattung automatisiert, liegt am unteren Ende.

Wichtiger als die Zahl ist die Frage, was Sie an Komfort, Energieeinsparung und Wiederverkaufswert zurückbekommen – und ob die Lösung in zehn Jahren noch gepflegt wird.

Fazit

Smart Home im Altbau nachrüsten ist kein Entweder-oder zwischen „alles aufreißen“ und „nur Funk“. Wer ohnehin saniert, sollte KNX ernsthaft prüfen. Wer bewohnt nachrüstet, fährt mit einem lokal arbeitenden Funksystem gut – wenn Verteiler, Netzwerk und Bedienkonzept stimmen. Im Verbund planen wir das gemeinsam: Die KNX-Planung und Programmierung übernimmt MyKonnex, die Elektroinstallation AJH-Elektro, Wände und Decken Ott & Masuch – mehr dazu unter Smart Home und Partner. Wir sind in Essen, Velbert, Wuppertal, Düsseldorf und im gesamten Kreis Mettmann unterwegs.

Häufige Fragen

Kann man KNX im Altbau ohne Komplettsanierung nachrüsten?
Teilweise. Für KNX TP braucht es eine Busleitung zu jedem Taster und Sensor, was ohne offene Wände aufwendig ist. Alternativen sind KNX RF (Funk) für einzelne Räume oder eine zentrale KNX-Lösung im Verteiler, wenn die vorhandenen Leitungen dort zusammenlaufen. Sinnvoll wird KNX vor allem, wenn ohnehin saniert wird.
Was ist die günstigste Art, ein Smart Home im Altbau nachzurüsten?
Funk- und WLAN-Systeme wie Shelly oder Homematic IP, die in vorhandene Schalterdosen passen. Voraussetzung sind ausreichend tiefe Dosen und meist ein Neutralleiter an der Schaltstelle. Die Geräte sind günstig, der Aufwand liegt vor allem in Planung und sauberer Einrichtung.
Welches Smart-Home-System ist im Altbau am zukunftssichersten?
KNX als offener, herstellerübergreifender Standard mit über 30 Jahren Abwärtskompatibilität. Bei Funk- und WLAN-Systemen sollten Sie auf lokale Steuerung ohne Cloud-Zwang und offene Schnittstellen achten, damit Sie nicht von einem einzelnen Anbieter abhängig sind.
Brauche ich für Shelly oder Homematic IP einen Elektriker?
Ja, sobald Geräte in Unterputzdosen oder im Verteiler an 230 V angeschlossen werden. Das ist Arbeit an der elektrischen Anlage und gehört in die Hand einer Elektrofachkraft – auch aus Versicherungs- und Haftungsgründen.

Passt das zu Ihrem Projekt?

Wir beraten unverbindlich – per Telefon, Mail oder vor Ort in Velbert, Essen, Wuppertal, Düsseldorf und Umgebung.

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